Udmurtien? O.K. Eigentlich wollte ich ja viel lieber beim England-Austausch mitmachen. Fast alle meine Freunde, denen ich von der Reise nach Ischewsk erzählte, gähnten mir abwinkend entgegen. Ich kann nicht sagen, daß mich diese Reaktionen sehr in meiner Entscheidung, doch nach Rußland zu fahren, bestärkten. Aus dem Fernsehen kannte man eben nur Negatives über den „kalten Riesen" im Osten. So baute auch ich mir meine eigene Vorurteil-Welt auf: Rußland ist eisig, grau, langweilig, die Menschen leben hinter dem Mond. Am Ende wurde mir die Entscheidung von „Seiten Erziehungsberechtigter" einfach abgenommen; nicht übermäßig begeistert stand ich morgens um 6 Uhr auf dem Flughafen Hamburg. In diesem Moment schwer vorstellbar, war das der Beginn einer wunderbaren Reise. | In Moskau mußten wir uns in die Transsibirische Eisenbahn für 20 Stunden einnisten. Beim Wodkatrinken lernten sich die Mitglieder der Reisegruppe näher kennen, und so machte uns auch die drückende Hitze in den engen Abteilen nichts mehr aus. Man konnte die Fenster nämlich nicht öffnen! In dem etwa 1100 Kilometer östlich von Moskau gelegenen Ischewsk angekommen, wurden wir von der dortigen Gastfreundschaft fast erdrückt. Kreative KräfteWir sollten für eine Woche im Sprachlager Santa Lingua wohnen, wo es von teils perfekt deutschsprechenden Kindern und Jugendlichen nur so wimmelte. Sie überraschten uns kurz darauf mit einem spritzig eingeübten Begrüßungsabend. Es war enorm zu | sehen, wieviel Spaß die alle beim Schauspielern, Singen und Tanzen hatten. Wenn ich mir sowas in Deutschland vorstellen würde, hätte man bestimmt die Hälfte der Schüler auf die Bühne „prügeln" müssen. Dort war es eine Selbstverständlichkeit, sich total frei auf den Brettern zu bewegen. Diese natürliche Kreativität und Spontanität hat mich ganz schön beeindruckt. Anfangs begegnete ich den Schülern mit einiger Distanz, doch nach und nach brachten sie mich mit ihrer ehrlichen Freundlichkeit zum Auftauen. Auch sie erwarteten die Gäste voreingenommen: Wir seien alle spießig, pünktlich und humorlos, hatten sie angenommen. Die deutsche Gruppe hat sie aber ganz schnell vom Gegenteil überzeugt. Auch meine Vorurteile wurden hinfällig. Ich konnte keine Unterschiede zu deutschen Jugendlichen feststellen, außer, daß | die Russen und Udmurten viel freundlicher und offener waren. Zugegeben, Ischewsk ist nicht sehr schön. Das mag an der Jahreszeit liegen, aber wohl eher daran, daß wir keine historischen Gebäude finden konnten. Doch eigentlich interessierte ich mich mehr für die Menschen. Wir führten dort die La-Ola-Wel-le ein, und sie zeigten uns, wie man Perlenarmbänder knüpft ein echter Austausch. Es war echt interessant, eine Kultur, die der deutschen kaum ähnelt, zu schnuppern. Rabea Weihser |