ulv Lüneburg. "Rocky Horror Show" und "Draußen vor der Tür" im Theater Lüneburgs waren zwei der stärksten Eindrükke für die elfköpfige Gruppe aus Udmurtien, gelegen am Ural. Vier Studentinnen, vier Schülerinnen, eine Dolmetscherin, eine Dozentin für Englisch aus der udmurtischen Hauptstadt Ischewsk weilten zwei Wochen in Lüneburg. Dozent Dr. Andrej Nedobuch von der dortigen Universität war schon mit der ersten Gruppe gekommen — die LZ berichtete. | Aufgefallen ist den Mädchen und Frauen, daß es in den deutschen Schulen freier, weniger geregelt, aber auch disziplinloser zugeht als bei ihnen in Ischewsk. Einerseits gefalle ihnen, wie Lehrer und Schüler miteinander umgingen, andereseits vermißten sie den Respekt vor den Lehrern, sagen Nadeshda und Swetlana. Die ihnen eingeimpfte Disziplin hat sie aber nicht gehindert, in der "Rocky Horror Show" kräftig Reis und Klopapier durch den Zuschauerraum und auf die Bühne | zu schmeißen — ein Heidenspaß. Sauer aufgestoßen sei ihnen jedoch der mangelnde Ernst der Schulklassen, die in dauernder Unruhe die Aufführung "Draußen vor der Tür" anschauten, erzählt Alesja. Englisch-Dozentin Vera Nedobuch mag die Stadt mit ihren historischen Gebäuden, den gemütlichen Straßen "mit Blumen überall". Marija schwärmt besonders vom SaLü. Kleidung, Haarschnitt und Makeup der deutschen Frauen erregten ihre Aufmerksamkeit. "Vielleicht können | wir einen Trend bei uns auslösen, wenn wir uns so präsentieren" hofft Tatjana. Als angenehm empfanden sie die offene Gastfreundschaft der Deutschen, ihr Interesse an der russischen Lebensart. Dr. Nedobuch konnte die von ihm gewünschten Kontakte zu Universität, Fachhochschule und Ostakademie knüpfen. Er hofft auf fruchtbare Zusammenarbeit und einen regen Studentenaustausch. |
Lexikalische Hinweise auf ein in unseren Breiten unbekanntes Gebiet: Die autonome Republik Udmurtien liegt im europäischen Teil Rußlands, im Vorland des mittleren Urals. Von den 1,6 Millionen Einwohnern auf 42100 Quadratkilometern Fläche gehören heute nur noch 31 Prozent zu den Udmurten, einem Volk mit finnisch-ugrischer Sprache. Die Umgangssprache ist weitgehend Russisch, gut 59 Prozent der Bevölker- | ung sind Russen. Die vor allem seit dem letzten Krieg stark gewachsene udmurtische Hauptstadt Ischewsk mit heute 635 000 Einwohnern entstand 1760. Die Universität wurde 1972 gegründet. Aufzubieten hat die Stadt außerdem ein Operntheater, ein Puppentheater und zwei Schauspielhäuser. In einem werden die Stücke in Russisch aufgeführt, im anderen in der udmurtischen Landessprache. |